
Gruppenaufbau
Wer kann eine Lungensportgruppe gründen?
Im Prinzip kann jeder eine Lungensportgruppe gründen. Von Nutzen sind natürlich Organisationstalent und die Fähigkeit, andere zum Mittun zu bewegen, um sich mit diesen die anstehende Arbeit zu teilen.
Bisher wurden Gruppengründungen vor allem von lizenzierten Fachübungsleitern durchgeführt, die ihre Ausbildung bei der AG Lungensport erhalten haben, aber auch durch (Reha-)Sportvereine bzw. deren Mitglieder sowie durch Ärzte aus Kliniken und Praxen in Kooperation mit interessierten und engagierten Patienten.
Jedem Gründer einer Lungensportgruppe ist zu raten, ein Netzwerk vor Ort zu knüpfen, d.h. mit Personen und Institutionen Kontakt aufzunehmen, die beim Aufbau der Lungensportgruppe helfen könnten. Mit diesen sollte das weitere Vorgehen sowie die Rollen- und Arbeitsteilung festgelegt werden.
Zu den Personen und Institutionen, die den Gründer der Lungensportgruppe unterstützen könnten, gehören
- Ärzte aus Kliniken und Praxen,weil diese Patienten der Lungensportgruppe zuweisen können.
- Akut-Kliniken und Reha-Kliniken,weil diese zuzüglich Trainingsräume (z.B. Turnhalle oder Gymnastikraum) zur Verfügung stellen, aber auch Sport- oder Physiotherapeuten bewegen könnten, sich qualifizieren zu lassen und die Lungensportgruppe zu leiten.
- Physiotherapeuten, Sportlehrer, Fachübungsleiter, weil diese sehr rasch in einem Sonderlehrgang der AG Lungensport zu Fachübungsleitern für die Lungensportgruppe qualifiziert und lizenziert werden können.
- Engagierte Patienten mit Organisationstalent, weil diese oftmals Verbindungen zu (Reha-)Sportvereinen und zur Gemeinde- und Kreisverwaltung haben - und diese auch zu nutzen verstehen.
(Reha-)Sportvereine vor Ort, weil diese die Lungensportgruppe aufnehmen und Hallenkapazität zur Verfügung stellen könnten.
- Sport- oder Gesundheitsdezernenten der Gemeinde- oder Kreisverwaltung, weil auch diese Hallenkapazitäten zur Verfügung stellen und finanzielle Mittel für die Startphase bereitstellen könnten.
- Landessportbund und Landesverband des DBS, weil diese ebenfalls eine finanzielle Unterstützung in der Startphase, wenigstens für die Versicherung, gewähren könnten.
- Landeszentrale für Gesundheitsförderung, weil diese Institution in Ihrem Bundesland über eine Vielzahl von Kontakten verfügt.
- AG Lungensport in Deutschland e.V. , weil die Arbeitsgemeinschaft Info- und Werbematerial zur Verfügung stellt und darüber hinaus versuchen könnte, Verbindungen zu (Reha-)Sportvereinen und zu Ärzten vor Ort herzustellen.
Natürlich ist es nicht zwingend notwendig, zu allen hier genannten Personenkreisen und Institutionen Kontakte zu suchen. Die Gründung der Lungensportgruppen funktioniert auch, wenn dies nicht in dem hier geschilderten Umfang geschieht.
Wichtig ist es allerdings schon, “Mitstreiter” zu finden und nicht den Versuch zu unternehmen, alles allein auf die Beine stellen zu wollen. In einem solchen Falle bestünde aus unserer Sicht die Gefahr, dass man sich überlastet fühlt und das Vorhaben aufgibt.
Suchen Sie also auf jeden Fall den einen oder anderen Kooperationspartner, mit dem Sie sich die Arbeit teilen können!
Welches Procedere bietet sich für den Aufbau einer Lungensportgruppe an?
Das Vorgehen ist der jeweiligen Situation vor Ort anzupassen. Da diese von Ort zu Ort verschieden sein dürfte, gibt es kein Patentrezept. Aus den verschienen Möglichkeiten sind die auszuwählen und zu realisieren, die der Situation vor Ort entsprechen.
Vernetzung der Interessierten
Streben Sie eine Vernetzung aller am Lungensport Interessierten vor Ort an und zeigen Sie jedem seinen Vorteil.
Das Abstimmungsgespräch
In einem Gespräch zwischen den am Aufbau der Lungensportgruppe Beteiligten sollte das Vorgehen festgelegt werden, das der Situation vor Ort entspricht. Dabei sollte auch eine Abstimmung bezüglich der Arbeits- und Rollenteilung vorgenommen werden.
Die einfache Lösung
- Ein Arzt und ein oder zwei Patienten sind die eigentlichen Initiatoren des Lungensports vor Ort.
- Es ist Ihnen gelungen, einen (Reha-)Sportverein dafür zu gewinnen, die Lungensportgruppe bei sich aufzunehmen.
- Der Verein verfügt über lizenzierte Fachübungsleiter bzw. dem Arzt ist eine Physiotherapeutin bekannt, die über eine Lizenz verfügt und die die Gruppe begleiten will.
- Der Arzt verordnet den Patienten seiner Praxis Lungensport, sodass ohne weitere Maßnahmen die erste Lungensportgruppe am Ort - mit insgesamt 15 Patienten sehr schnell aufgebaut ist.
Ein Arzt und ein oder zwei Patienten sind die eigentlichen Initiatoren des Lungensports vor Ort.
Dieses Konzept ist in gleicher Weise realisierbar bei einer Kooperation zwischen einer Klinik und einem (Reha-)Sportverein.
Das Procedere bei der Bewerbung
Alternativ zur “einfachen Lösung” bietet sich die nachstehende Schrittfolge an:
1. Schritt: Telefon-Aktion
Mit der regionalen Tageszeitung wird eine Telefon-Aktion zum Thema Lungensport vereinbart. Normalerweise stimmen die Tageszeitungen einem solchen Vorhaben sehr schnell zu. Für die Zeitung lässt sich wohl eine Telefon-Aktion eher der Leserschaft als eine eigene Initiative darstellen als nur die Publikation eines Artikels. Außerdem kommt die Zeitung mit der Telefon-Aktion mit den Lesern ins Gespräch, das ist bürgernah.
In Vorbereitung der Telefon-Aktion veröffentlichen die Zeitungen meist 2 vielleicht auch 3 Beiträge zum Thema zwei bis drei Tage vor der Aktion.
Neben der Beschreibung des Themas der Telefon-Aktion werden die Experten der Aktion mit Bild und eigenem Schwerpunktthema in der Aktion den Lesern vorgestellt.
Nach dem die Telefon-Aktion durchgeführt wurde, erscheint ein weiterer Artikel, in dem die interessantesten der Fragen mit den Expertenantworten wiedergegeben und auf weitere Aktivitäten des Lungensports vor Ort verwiesen werden.
Als Experten sollten bei einer solchen Telefon-Aktion beteiligt werden:
- Zwei Ärzte ( Themen: Warum ist Lungensport aus medizinischer Sicht wichtig? Wer darf beim Lungensport mitmachen und wer nicht? Was bringt Lungensport Patienten mit Asthma und was solchen mit COPD? )
- Ein Fachübungsleiter ( Thema: Wie geht Lungensport? )
2. Schritt: Bewerbung des Lungensports in Praxen/ Apotheken/Medien
Die Aktivitäten des Lungensports sollten - gleichgültig ob es um ein Patienten-Forum, um einen Schnupperkurs oder um das Zusammentreffen der Lungensportgruppe geht - mit Plakaten und Flyern beworben werden. Die Plakate sollten von den am Lungensport interessierten Patienten oder den Mitgliedern einer Selbsthilfegruppe vor Ort (Beispiel: Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V.) in die Apotheken bzw. in die Praxen der Hausärzte gebracht werden. Auch die an der Lungensportgruppe interessierten Ärzte sollten nicht nur die Plakate in ihrer Praxis aufhängen und die Flyer auslegen, sie sollten darüber hinaus ihr Personal dafür gewinnen, für den Lungensport zu werben.
Schließlich sollten sie ihre Kollegen davon überzeugen, Patienten in die Lungensportgruppe zu schicken.
Das Gespräch mit den Kollegen über die Notwendigkeit, Lungensport zu unterstützen, sollte nach Möglichkeit im Qualitätszirkel oder beim fachärztlichen Stammtisch geführt werden, da dort für das Gespräch mehr Zeit zur Verfügung steht.
Sofern ein regionaler oder privater Sender des Hörfunks am Ort oder in der Nähe existiert, sollte versucht werden,
- wenigstens im Veranstaltungskalender
- oder besser noch in einem Interview mit einem Experten die nächsten Lungensport-Aktivitäten anzukündigen.
Um das zu erreichen, ist allerdings sowohl eine schriftliche Information als auch ein zweimaliger Telefonkontakt notwendig (einmal vor dem Schreiben, um es anzukündigen und einmal - nach Eingang des Schreibens beim Sender - um nachzufassen).
Unabhängig von der Telefon-Aktion sollten alle Lungensport-Aktivitäten in die “Veranstaltungskalendern” der Zeitungen der Region gebracht werden. Dafür sind die gleichen Aufwendungen wie oben beschrieben notwendig:
- Anruf, schriftliche Info, abermaliger Anruf.
3. Schritt: Patienten-Forum
Durch ein Patienten-Forum sollen zum Thema Lungensport möglichst viele Betroffene und deren Angehörige erreicht werden.
Beworben wird das Patienten-Forum in den oben beschriebenen Formen, d.h.:
- mit Plakaten/Flyern
- per Telefon-Aktion mit der Tageszeitung
- via Rundfunkinterviews
- im Veranstaltungskalender von Zeitungen und Rundfunkanstalten
Sprecher der Veranstaltung sollten sein:
- ein bis zwei Ärzte, die über Sinn und Zweck des Lungensports aus medizinischer Sicht berichten
- ein Fachübungsleiter, der darstellt, wie Lungensport geht
- ein erfahrener Patient, der erzählt, was ihm der Lungensport gebracht hat
Wichtig ist, dass die Vorträge kurz gehalten werden (max. 10 Minuten), um Zeit für die Fragen der Patienten und für deren Beantwortung zu haben.
Die Diskussion/ das Gespräch steht so im Mittelpunkt und nicht der Fachvortrag. Die Botschaft soll im Frage-Antwort-Dialog den Teilnehmern nahegebracht werden.
So nehmen Zuhörer mehr auf als bei der klassischen Ein-Weg-Kommunikation eines Vortrags.
Zum Patienten-Forum sollten natürlich auch die Vertreter der lokalen Presse eingeladen werden, damit sie über das Forum berichten und den Schnupperkurs ankündigen.
Da das Patienten-Forum die Thematik gewissermaßen nur theoretisch behandeln und nichts praktisch vorgemacht werden kann, soll ein Schnupperkurs für Interessierte angekündigt werden. Dafür sollen beim Patienten-Forum Handzettel verteilt werden:“wann und wo findet der Schnupperkurs statt!“.
Das Patienten-Forum sollte nicht länger als 1 ½ - 2 Stunden dauern. Es sollte auf die Minute genau beginnen und mit der gleichen Genauigkeit zur vorher angekündigten Zeit enden. Die Einhaltung des angekündigten Endes der Veranstaltung verhindert, dass größere Gruppen von Teilnehmern vor Ende der Veranstaltung den Raum verlassen und andere mitziehen.
4. Schritt: Schnupperkurs
Ähnlich wie das Patienten-Forum soll auch der Schnupperkurs angekündigt werden.
Für diese Veranstaltung sollen vor allem die Personen gewonnen werden, die ein hohes Interesse am Lungensport haben und deshalb auch tatsächlich mitmachen wollen.
Der Schnupperkurs findet in einer Turnhalle statt. Diese wird allein schon wegen des guten Besuchs der Veranstaltung benötigt.
In vielen Fällen kommen nämlich so viele Besucher, dass nicht alle bei “Vorführübungen” mitmachen können. Dennoch kann natürlich allen vermittelt werden, wie Lungensport geht und wie in der Lungensportgruppe gearbeitet wird.
Außerdem kann jedem, der in der Lngensportgruppe mitmachen will, verständlich gemacht werden, warum er eine “Verordnung” seines Arztes braucht, wenn er in der Lungensportgruppe mitmachen will.
5. Schritt: Lungensportgruppe
Für den Aufbau einer Lungensportgruppe sind - wenn die Initiative nicht von Ärzten aus Kliniken und Praxen ausgeht - nicht unerhebliche Vorlaufzeiten und entsprechende Werbemaßnahmen notwendig.
Ist die Ärzteschaft involviert und machte sie ihren Patienten mit Asthma oder COPD im Einzelgespräch deutlich, dass der Lungensport Ihnen therapeutischen Zusatznutzen bringt, wenn sie nur anhaltend und regelmäßig daran teilnehmen, ist allein schon durch die ärztliche Verordnung eine Lungensportgruppe mit ihren maximal 15 Mitgliedern sehr rasch gebildet.
Unter den Vorraussetzungen solcher Zuweisungen durch die Ärzteschaft eines Ortes würden sich sogar in relativ kurzer Zeit so viele Patienten mit Asthma oder COPD bei der Lungensportgruppe melden, dass aus der einen Gruppe sehr rasch mehrere entstehen, die dann nach Krankheiten - hier die Asthmatiker, dort die COPD-Patienten - und vielleicht sogar nach Krankheitsschweregraden getrennt aufgebaut werden könnten.
Um dieses erstrebenswerte Ziel zu erreichen, bedarf es jedoch verstärkter Anstrengungen. Erfahrungsgemäß müssen beide Gruppen motiviert und aktiviert werden - die Patientenschaft und die Ärzteschaft!
Welche Vorteile bietet der Lungensport?
Die Vorteile sind vielfältig:
- Der Patient erhält zu seiner medikamentösen Therapie eine Zusatztherapie, die ihm hilft, seine Belastbarkeit und Belastungsdauer zu steigern sowie Lebensqualität zurück zu gewinnen. Er bewegt sich in einer Gruppe Gleichbetroffener, wird emotional stabilisiert und erlebt mit Freude, dass er mehr kann, als er bisher zu können glaubte.
- Der Verein eröffnet sich durch den Rehabilitationssport mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen einen neuen Zweig in der Vereinsstruktur oder verstärkt den Rehazweig im Verein. Er orientiert sich am neuen Trend des Gesundheitssports, nicht nur im präventiven sondern auch im rehabilitativen Bereich.
- Der Übungsleiter kann neue Rehabilitationssportgruppen begleiten und erweitert sein Wissen, das bedeutet seine Fähigkeiten und sein Tätigkeitsfeld.
- Der niedergelassene Arzt bietet seinen Patienten einen zusätzlichen Therapieeffekt, ohne selbst zeitlich belastet zu werden und ohne sein Budget zu belasten.
- Die Akut-Klinik erweitert ihre Angebotspalette durch Kooperation mit einem (Reha-)Sport-Verein, stellt gegebenenfalls eigene Räume und Physiotherapeuten für das Training zur Verfügung und wird so im Umfeld als patientenorientierteKlinik bekannt - ohne zeitliche Belastung der Ärzteschaft und auch ohne Zusatzkosten.
- Die Reha-Klinik kann bei Betreuung einer ortsansässigen Lungensportgruppe ihren Rehabilitationspatienten vorführen, wie Lungensport geht und wird die Notwendigkeit des Lungensports in den Azrtbriefen überzeugender darstellen können.